| Eine Implantation ist ein operativer Eingriff, der Wissen, Präzision und Erfahrung erfordert – – von der ersten Beratung bis hin zur Nachsorge. In der Regel besteht eine Implantation für Patienten aus 6 bis 8 Schritten:
1. Eingriff planen
2. Schmerz ausschalten
3. Knochen aufbauen (nur falls nötig)
4. Implantat einsetzen
5. Wunde verschließen
6. Einheilzeit abwarten
7. Implantat freilegen (je nach Behandlungsart)
8. Zahnersatz anbringen
1. Eingriff planen
Bevor wir Patienten mit einem Implantat versorgen stehen immer Diagnostik und Beratung an – das Fundament jeder erfolgreichen Behandlung. Dazu gehören:
- Anamnese: allgemeiner Gesundheitszustand, Vorerkrankungen und Wünsche des Patienten
- Untersuchung: Kontrolle von Zahnstatus, Mundschleimhaut und Kiefer, ergänzt durch Röntgendiagnostik – klassische Panoramaaufnahmen geben einen Überblick, doch die 3D-Bildgebung mit einem Digitalem Volumentomogramm (DVT) ist heute Standard, weil sie präziser und detaillierter ist
- Behandlungsplan: Planen, ob Vorbehandlungen nötig sind, wie viele Implantate gesetzt werden, ob eine Bohrschablone sinnvoll ist und welche prothetischen Optionen bestehen
- Aufklärungsgespräch: Patient und Behandler besprechen den Plan im Detail, klären offene Fragen – und treffen Entscheidung über weiteres Vorgehen
- Heil- und Kostenplan: Transparente Übersicht über den Behandlungsablauf und die finanziellen Aspekte
2. Schmerz ausschalten
Viele Menschen sorgen sich vor Schmerzen beim Zahnarzt – auch im Rahmen einer Implantatversorgung. Dank moderner Methoden ist das Einsetzen eines Implantats in den allermeisten Fällen jedoch schmerzfrei. Je nach Wunsch und Bedarf gibt es drei bewährte Optionen für die Schmerzausschaltung während des Eingriffs:
Lokale Betäubung
Die Standardmethode: Ein Lokalanästhetikum wird gezielt im Bereich des OP-Gebiets verabreicht, sodass der Patient zwar wach ist, aber vom Eingriff nichts spürt.
Dämmerschlaf (Sedierung)
Wer möglichst wenig mitbekommen möchte, kann bei kürzeren Eingriffen in einen sanften Schlafzustand versetzt werden. Während dieses Dämmerschlafs werden Herzfunktion, Atmung und Sauerstoffsättigung kontinuierlich überwacht.
Vollnarkose
Eine Vollnarkose kommt bei Implantationen nur selten zum Einsatz – etwa bei sehr langen Operationen, wenn mehrere Implantate in einer Sitzung gesetzt oder aufwändige Knochenaufbauten durchgeführt werden. Für eine Behandlung unter Vollnarkose sind ein Anästhesist, spezielle Ausstattung und eine gute Nachsorge zwingend erforderlich.
3. Knochen aufbauen (nur falls nötig)
Fehlt es an Knochenmasse, kann ein Implantat nicht sofort gesetzt werden. In diesen Fällen sorgt der Knochenaufbau für die nötige Stabilität.
Mögliche Materialien für den Knochenaufbau:
- körpereigener Knochen (z. B. aus dem Kiefer)
- Spenderknochen (allogen)
- tierisches oder pflanzliches Gewebe (xenogen)
- synthetisches Knochenersatzmaterial (alloplastisch)
Während des Heilungsprozesses werden alle Materialien in körpereigenen Knochen umgewandelt – so entsteht eine feste Basis für das Implantat. Welche Technik beim Knochenaufbau zum Einsatz kommt, hängt von der Situation ab: Ist der Knochen zu schmal oder zu niedrig? Liegt die betroffene Stelle im Ober- oder Unterkiefer? Soll das Implantat später im Front- oder Seitenbereich gesetzt werden? Ziel ist dabei immer, langfristig genug Halt für die Implantate zu schaffen.
4. Implantat einsetzen
Der chirurgische Eingriff – also das eigentliche Einsetzen des Implantats – verläuft in vier Schritten:
- 1. Schmerzfreiheit sicherstellen mittels Lokalanästhesie, Sedierung oder Vollnarkose
- 2. Kieferknochen freilegen durch einen kleinen Schnitt, oft auf Basis einer 3D-Planung
- 3. Bohren des Implantatbetts – stufenweise, gekühlt und häufig anhand einer individuellen Bohrschablone für höchste Präzision
- 4. Implantat einsetzen in das vorbereitete Loch, sodass es fest im Knochen sitzt
Die Dauer des Eingriffs variiert stark: Ein einzelnes Implantat kann in 20 bis 30 Minuten gesetzt sein, bei umfangreichen Versorgungen können mehrere Stunden nötig sein.
5. Wunde verschließen
Nach dem Einsetzen des Implantats bleibt eine kleine Verletzung in der Schleimhaut zurück. Um Infektionen zu verhindern, wird manchmal schon vor der OP ein Antibiotikum gegeben – bei größeren Eingriffen kann die Einnahme auch im Anschluss sinnvoll sein.
Für den Wundverschluss gibt es zwei Methoden: Entweder wird das Implantat zunächst komplett mit der Schleimhaut verdeckt (verdeckte Einheilung) oder es bleibt gleich von Beginn an ein kleiner Teil offen (offene Einheilung). Welche Variante besser geeignet ist, richtet sich nach Faktoren wie Knochenqualität, Stabilität des Implantats beim Einsetzen, Ausmaß der OP und ästhetischen Aspekten.
Methode 1: Verdeckte Heilung
Hierbei wird das Implantat unter der Schleimhaut „verpackt“ und ist während der gesamten Heilungsphase von äußeren Einflüssen abgeschirmt. Erst nach einigen Monaten wird es wieder freigelegt für den nächsten Behandlungsschritt.
Methode 2: Offene Heilung
Bei diesem Vorgehen wird direkt ein Implantat-Aufbau auf das Implantat gesetzt. Die Schleimhaut wird so angepasst, dass ein dichter Abschluss entsteht. Vorteil: Es braucht später keinen zweiten chirurgischen Eingriff. Nachteil: Bewegungen durch Zunge oder Prothese können den Heilprozess in manchen Fällen beeinträchtigen.
6. Einheilzeit
Eine der häufigsten Patientenfragen lautet: „Wann kann ich mit meinem Implantat wieder richtig zubeißen?“ Die Antwort ist: Erst, wenn das Implantat vollständig eingeheilt ist. Ansonsten kann es sich im schlimmsten Fall wieder lösen. Die Dauer dieser Einheilphase hängt vor allem von der Knochenqualität ab und es gibt gängige Richtwerte, die jedoch nicht pauschal für alle Patienten gelten:
- Einheilphase im Oberkiefer: etwa 3 bis 6 Monate
- Einheilphase im Unterkiefer: etwa 2 bis 4 Monate
Außerdem gut zu wissen: Das Implantat selbst verheilt eigentlich gar nicht, sondern vielmehr der Knochen, der eine feste Verbindung mit dem Implantat eingehen muss. Nur wenn dieser Verbund stabil ist, kann das Implantat dauerhaft belastet werden.
Es gibt auch Fälle, in denen ein Implantat sofort belastet werden kann – etwa bei der All-on-4-Methode oder einer Sofort-Implantation. Diese Varianten kommen immer mehr zum Einsatz, weil sie Patienten schneller helfen, weil das Ergebnis gut vorhersehbar ist und weil sie auch optisch überzeugen.
7. Implantat freilegen (je nach Behandlungsart)
Wenn das Implantat verdeckt einheilt, folgt nach der Einheilphase ein kleiner Eingriff: Das Implantat wird wieder zugänglich gemacht, um den Implantat-Aufbau anzubringen und das Zahnfleisch dicht daran anzulegen. Häufig wird zu diesem Zeitpunkt auch die Stabilität des Implantats überprüft.
8. Zahnersatz anbringen
Sobald der Abdruck vorliegt, übernimmt das zahntechnische Labor die Anfertigung des eigentlichen Zahnersatzes – Krone, Brücke oder Prothese. In einer abschließenden Sitzung befestigt der Hauszahnarzt diesen Zahnersatz passgenau auf dem Implantat-Aufbau und damit ist der Zahnersatz fertig. Danach folgen noch die wichtigen Nach- und Kontrolluntersuchungen, die den langfristigen Erfolg sichern. |