Sinuslift zum Knochenaufbau | Dr. Triebswetter, Hamburg

Sinuslift zum Knochenaufbau: Methoden, Risiken und Erfolgsraten

Fehlt im Seitenzahnbereich des Oberkiefers ein Zahn, reicht der vorhandene Knochen häufig nicht für ein Implantat. Mit einem Sinuslift wird die nötige Knochenmasse aufgebaut, damit das Implantat stabil verankert werden kann. In diesem Fachbeitrag erkläre ich die beiden Sinuslift-Verfahren (intern und extern), welche Materialien dabei zum Einsatz kommen, wie die Erfolgsraten sind, welche Risiken bestehen und wann eine Implantation auch ohne Knochenaufbau möglich ist.

Dr. Stefan Triebswetter
Fachzahnarzt für Oralchirurgie · M.Sc. Implantologie
DGIDGZMKBDO
Das Wichtigste auf einen Blick
Problem: Knochenabbau durch Zahnverlust verhindert das Einsetzen eines Implantats
Ziel eines Sinuslifts: Knochen wiederherstellen für stabile Implantat-Verankerung
Methoden: interner Sinuslift für Knochenaufbau bis 3 mm, externer Sinuslift für größeren Aufbau
Erfolgsrate: 91 bis 96 %
Häufigste Komplikation: Riss der Schneider-Membran

Was ist ein Sinuslift?

Ein Sinuslift (in der Fachsprache: Sinusbodenelevation) ist ein chirurgischer Eingriff im Seitenzahnbereich des Oberkiefers, bei dem ich den Boden der Kieferhöhle (Sinus maxillaris) anhebe und den dadurch entstehenden Hohlraum mit Knochenmasse auffülle. Das Ziel ist: Genügend Knochen aufbauen, um ein Implantat sicher verankern zu können.1 Da an dieser Stelle oft nur 2 bis 3 Millimeter an Knochen vorhanden sind und ein typisches Implantat 10 Millimeter lang ist, muss entsprechend viel aufgefüllt werden.

Was ist die Kieferhöhle?

Die Kieferhöhle ist ein Hohlraum innerhalb des Oberkieferknochens, der sich nach einem Zahnverlust nach unten ausdehnt – ein Vorgang, der in der Fachsprache Pneumatisation heißt. Im Bereich der Backenzähne 5 bis 7 ist oft nur noch eine schmale Knochenschicht zwischen Kieferkamm und Kieferhöhlenboden übrig. Ein Standardimplantat findet hier keinen sicheren Halt mehr.1

Was ist die Schneider-Membran?

Der Boden der Kieferhöhle wird durch eine dünne Membran ausgekleidet – diese Schleimhaut heißt Schneider-Membran. Ich hebe diese Membran an, erzeuge so einen Hohlraum zwischen Membran und Restknochen und fülle den Hohlraum mit Knochenmaterial auf. So schaffe ich ausreichend Knochenvolumen, damit ich das Implantat setzen kann.

Wie schreitet der Knochenabbau im Oberkiefer-Seitenzahnbereich voran?

Nach einem Zahnverlust schreitet der Knochenabbau im Seitenzahnbereich des Oberkiefers in 3 Bereichen voran:

  • Horizontaler Abbau (Breite): Wenn ein Zahn fehlt, beginnt die Knochenleiste (Alveolarkamm), in der die Zahnwurzel verankert war, sofort abzubauen. Innerhalb von 12 Monaten reduziert sich die Knochenbreite in Wangen-Zungen-Richtung (bukko-lingual) um etwa 50 Prozent, der größte Teil davon in den ersten 3 Monaten.2
  • Vertikaler Abbau (Höhe): Nach einem Jahr ohne Zahn beträgt der Höhenabbau im Oberkiefer etwa 0,5 Millimeter; über mehrere Jahre summiert sich der Abbau.2
  • Ausdehnung der Kieferhöhle (Pneumatisation): Gleichzeitig mit dem fortschreitenden Knochenabbau dehnt sich die Kieferhöhle in den freiwerdenden Raum aus, sodass die verbleibende Knochenhöhe zwischen Kieferkamm und Kieferhöhlenboden weiter abnimmt.2

Das Ergebnis: Zwischen Kieferkamm und Kieferhöhle bleibt oft nur noch eine Knochenhöhe von wenigen Millimetern. Für ein Implantat in Standardlänge (10 bis 13 Millimeter) reicht das nicht aus.

Restknochenhöhe bestimmt das Behandlungsverfahren

Mittels digitaler Volumentomographie (DVT) messe ich die vorhandene Restknochenhöhe und bestimme anhand der DVT-Aufnahme, welche Behandlungsmethode am besten geeignet ist – und ob ein Knochenaufbau überhaupt erforderlich ist. Dabei gibt es 3 mögliche Szenarien:3

RestknochenVorgehenBeschreibung
über 7 mmkein Aufbau erforderlichStandardimplantat direkt einsetzbar, eventuell mit kleiner Anhebung der Membran über die Implantatbohrung
3–7 mminterner SinusliftBis zu 3 mm Knochenaufbau möglich, Zugang über die Implantatbohrung
unter 3 mmexterner SinusliftGrößerer Aufbau in die Höhe erforderlich, Zugang über Knochenfenster seitlich zur Kieferhöhle

Bei einer Restknochenhöhe unter 3 Millimetern ist der erforderliche Knochenaufbau oft so umfangreich, dass das Implantat nicht sofort eingesetzt werden kann. Für solche Fälle braucht es ein zweizeitiges Vorgehen: zuerst erfolgt der Knochenaufbau und erst nach einer Einheilzeit von 6 bis 9 Monaten setze ich das Implantat ein.4

Interner und externer Sinuslift: Die Methoden im Vergleich

Unsere Praxis arbeitet seit 1995 mit beiden Verfahren:

  • internen Sinuslift für kleine Aufbauten und
  • externer Sinuslift für größere Aufbauten

Welches Verfahren für Sie infrage kommt, entscheidet sich anhand der DVT-Aufnahme. Der Unterschied liegt im Zugang zur Kieferhöhle – also von wo aus ich den Eingriff durchführe.

Interner Sinuslift: Zugang über die Implantatbohrung

Beim internen Sinuslift erfolgt der Zugang über die Implantatbohrung. Ich bohre durch den Kieferkamm bis kurz unter den Kieferhöhlenboden und hebe die Membran über diese Bohrung an – entweder mit einem Osteotom (einem stumpfen Stempel-Instrument) oder mit hydraulischem Druck. Durch dieselbe Bohrung bringe ich das Knochenersatzmaterial ein und setze in der Regel das Implantat direkt im Anschluss (einzeitiges Verfahren).5

Ein interner Sinuslift ist weniger invasiv als ein externer und die Einheilung verläuft in der Regel mit weniger Komplikationen. Nachteil: Ich operiere ohne direkte Sicht auf die Membran, ein möglicher Riss der Membran ist dadurch schwerer zu erkennen. Studien zeigen außerdem, dass bei der Verwendung des Osteotoms die Rate der Membranrisse höher sein kann.5,24

Indikation: Wann kommt das interne Verfahren zum Einsatz?
Bei einer Restknochenhöhe von 5 bis 7 Millimetern und einem geplanten Aufbau von bis zu 3 Millimetern eignet sich ein interner Sinuslift. Bei Restknochenhöhen von 3 bis 6 Millimetern zeigt der interne Zugang, in Kombination mit leicht verkürzten Implantaten von 8 Millimetern Länge, laut einer aktuellen Übersicht weniger Komplikationen als eine externe Behandlung mit längeren Implantaten.3

Interner Sinuslift im Querschnitt: Bohrung durch den Kieferkamm, Anheben der Schneider-Membran mit einem Osteotom und transalveoläre Implantation
Interner Sinuslift: Zugang über die Implantatbohrung, Anheben der Membran mit dem Osteotom und Implantation

Externer Sinuslift: Zugang über ein seitliches Knochenfenster

Beim externen Sinuslift erfolgt der Zugang über die seitliche Wand der Kieferhöhle. Ich klappe dabei die Wangenschleimhaut ab und präpariere ein kleines Knochenfenster. Durch dieses Fenster löse ich die Schneider-Membran vom Kieferhöhlenboden und fülle den Hohlraum mit Knochenersatzmaterial. Anschließend decke ich das Knochenfenster mit einer Membran ab, was die Knochenregeneration fördert und mögliche Komplikationen reduziert.1

Der externe Zugang ermöglicht eine größere Aufbauhöhe und gute Sicht. Ich sehe die Membran während der gesamten OP, was das Verfahren bei größeren Defekten sicherer macht. Nachteil: Der Eingriff ist invasiver, die Schwellung danach stärker ausgeprägt und die Behandlungszeit länger.

Indikation: Wann kommt das externe Verfahren zum Einsatz?
Bei einer Restknochenhöhe unter 7 Millimeter, einem geplanten Aufbau von über 3 Millimetern oder anatomisch ungünstigen Verhältnissen (sehr dünne Restknochenlamelle, ausgeprägte Pneumatisation) sollte ein externer Sinuslift erfolgen. Bei einer Restknochenhöhe unter 5 Millimeter ist der externe Sinuslift die kosteneffizienteste Methode.6

Externer Sinuslift im Querschnitt: seitliches Knochenfenster, abgehobene Schneider-Membran, Auffüllung mit Knochenersatzmaterial und gesetztes Implantat
Externer Sinuslift: Zugang über ein seitliches Knochenfenster, Auffüllen mit Knochenersatzmaterial und Implantation

Interner und externer Sinuslift im Vergleich

KriteriumInterner SinusliftExterner Sinuslift
Zugangüber Implantatbohrungüber Knochenfenster
Restknochenhöhe5–7 mmunter 7 mm, insb. unter 5 mm
Mögliche Aufbauhöhebis 3 mmüber 3 mm, individuell planbar
Sicht auf Membranindirektdirekt
Membran-Abdeckungnicht zwingendobligatorisch
Implantationmeist einzeitig (in derselben Sitzung)einzeitig oder zweizeitig
Invasivitätgeringmittel
Heilungszeit4–6 Monate6–9 Monate
Kosten (gesamt)ca. 330–600 €ca. 870–1.430 €

Wichtig: Welches Verfahren in Ihrem Fall infrage kommt, entscheide ich nach der DVT-Befundung. Die Restknochenhöhe ist der zentrale Faktor, aber auch die Lage benachbarter Gefäße, eventuelle Verwachsungen der Membran und die geplante Implantatposition fließen in meine Entscheidung ein.

Welche Materialien kommen zum Einsatz?

Bei einem kieferchirurgischen Knochenaufbau kommen vier Materialtypen zum Einsatz. Sie unterscheiden sich durch ihre Herkunft, ihre biologische Aktivität und ihr Resorptionsverhalten.7 Im Folgenden eine Übersicht über die 4 Typen:

Autolog: Eigenknochen

Eigenknochen gilt als „Goldstandard", weil nur er diese 3 Eigenschaften vereint:

  • osteokonduktiv: dient als Leitschiene für neuen Knochen
  • osteoinduktiv: regt umliegende Zellen zur Knochenbildung an und
  • osteogen: enthält selbst lebende Knochenzellen7

Wenn ich für Ihren Sinuslift Eigenknochen verwende, entnehme ich eine kleine Menge aus dem Bereich hinter dem letzten Backenzahn im Unterkiefer (retromolar) oder aus den Bohrspänen, die während der Implantatbohrung anfallen.

Die Knochenentnahme im Mund (intraoral) belastet Sie kaum zusätzlich. Bei sehr großen Defekten kommt in Ausnahmefällen Knochen aus dem Beckenkamm zum Einsatz, was einen größeren Eingriff in Vollnarkose erfordert – mit stationärem Aufenthalt und deutlich höherer Belastung der Entnahmestelle. In der ambulanten Implantologie ist die intraorale Entnahme daher der Standard.8

Xenogen: Tierischer Knochenersatz

Tierische Knochenersatzmaterialien stammen in der Regel aus Rinderknochen. Bio-Oss ist das bekannteste Produkt und entsteht durch die sogenannte Deproteinierung von Rinderknochen. Dabei wird der organische Teil des Knochens (primär Kollagen) entfernt und es bleibt nur das Mineralgerüst (aus Hydroxylapatit) erhalten. Das Material ist osteokonduktiv, dient also als Gerüst für körpereigenen Knochen, und baut sich nur sehr langsam ab.7

Eine Studie zur Sinusbodenelevation hat gezeigt, dass kortikospongiöser Schweineknochen im Verhältnis 1:1 mit Eigenknochen aus dem Beckenkamm vergleichbare Ergebnisse liefert.9 In der Praxis kombiniere ich häufig Eigenknochen mit tierischem Material, weil diese Mischung biologische Aktivität mit guter Verfügbarkeit vereint.

Alloplastisch: Synthetische Materialien

Synthetische Materialien wie Beta-Tricalciumphosphat oder Hydroxylapatit werden industriell hergestellt, sind osteokonduktiv und frei von tierischen Bestandteilen. Die Datenlage für den Einsatz dieser Materialien bei einem Sinuslift ist solide, aber weniger umfangreich als bei den tierischen.7

Allogen: Menschlicher Spenderknochen

Allogener Knochen – also menschlicher Spenderknochen – stammt aus zertifizierten Knochenbanken. Er wird demineralisiert und gefriergetrocknet, bevor er eingesetzt werden kann. Beim Sinuslift kommt er selten allein zum Einsatz, kann aber bei größeren Defekten eine Rolle spielen.7

Die Rolle der Barriere-Membran beim externen Sinuslift

Beim externen Sinuslift muss das Knochenfenster mit einer Membran abgedeckt werden. Diese Membran verhindert, dass schnell wachsendes Weichgewebe in den Aufbaubereich einwächst, und sie gibt dem langsamer wachsenden Knochen so Zeit. Wird eine Membran eingesetzt, ist die Implantat-Überlebensrate nachweislich höher.1

2 Membran-Typen sind etabliert:

  • Kollagenmembran: Eine resorbierbare (selbstauflösende) Membran aus Kollagen, die sich in 4 bis 6 Monaten von selbst auflöst. Das erspart Patienten einen zweiten Eingriff und ist daher die Standardlösung beim Sinuslift.10
  • Polytetrafluorethylen (PTFE) oder titanverstärktes PTFE: Eine PTFE-Membran ist stabiler als eine Kollagenmembran, erfordert aber einen Zweiteingriff zur Entfernung, weil sie sich nicht von allein abbaut. Beim Sinuslift ist sie in der Regel nicht nötig, eher bei größeren Knochenaufbauten.10

Eine freiliegende Membran (Membranexposition) ist die häufigste Komplikation beim membrangestützten Knochenaufbau. In etwa 5 bis 15 Prozent der Fälle öffnet sich das vernähte Zahnfleisch über der Membran, was das Infektionsrisiko erhöht und den Knochenaufbau gefährden kann. Bei sorgfältiger Technik und einem Wundverschluss frei von Spannung liegen die Erfolgsraten für die Knochenregeneration bei über 95 Prozent.10

So läuft ein Sinuslift ab

Der externe Sinuslift folgt einem standardisierten Ablauf. Die OP dauert, abhängig von der Größe des Defekts und davon, ob ich gleichzeitig implantiere, 60 bis 120 Minuten. Der Eingriff wird in der Regel unter örtlicher Betäubung vorgenommen und ist auf Wunsch auch im Dämmerschlaf (Analgosedierung) möglich. Im Folgenden stelle ich vor, wie ein Sinuslift mit gleichzeitiger Implantation in 7 Schritten abläuft.

1

Planen und vorbereiten

Vor dem Eingriff erstelle ich eine DVT-Aufnahme und prüfe damit die Restknochenhöhe, die Kieferhöhlen-Anatomie und den Verlauf der Gefäße in der seitlichen Kieferhöhlenwand. Bei einer navigierten Implantation fertige ich zusätzlich eine Bohrschablone an. Unmittelbar vor der OP spülen Sie mit Chlorhexidin für 30 bis 60 Sekunden Ihren Mund. Das senkt die Bakterienlast in der Mundhöhle deutlich und schützt vor Infektionen.

2

Schmerz ausschalten und Zugang freilegen

Anschließend betäube ich die OP-Region mit einem örtlichen Anästhetikum. Bei einem externen Sinuslift klappe ich dann die Wangenschleimhaut vorsichtig von der seitlichen Kieferhöhlenwand ab und lege den Bereich für das Knochenfenster frei. Bei einem internen Sinuslift schaffe ich den Zugang über die Implantatbohrung.

3

Knochenfenster präparieren (nur bei externem Sinuslift)

Mithilfe der hochfrequenten Ultraschallschwingungen eines Piezo-Geräts präpariere ich ein kleines, ovales Knochenfenster in die seitliche Kieferhöhlenwand. Durch die Ultraschallfrequenz zerstört das Gerät nur harten Knochen, die darunterliegende Schneider-Membran bleibt fast immer unverletzt. Im Vergleich zu herkömmlichen rotierenden Geräten sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Verletzung der Membran so auf 7 Prozent (statt 14 bis 56 Prozent).11

4

Schneider-Membran ablösen

Mit speziellen Instrumenten löse ich die Schneider-Membran behutsam vom Kieferhöhlenboden. Die Membran ist nur etwa 0,2 Millimeter dick und muss daher sehr vorsichtig bearbeitet werden. Sobald sie abgelöst ist, entsteht ein Hohlraum zwischen Membran und Knochen.

5

Knochenersatzmaterial einbringen

In den entstandenen Hohlraum bringe ich das Knochenersatzmaterial ein. Je nach Befund nutze ich Eigenknochen, eine Mischung aus Eigenknochen und tierischem Material oder synthetisches Knochenersatzmaterial. Bei ausreichender Restknochenhöhe (in der Regel ab 4 Millimeter) setze ich das Implantat in derselben Sitzung. Bei weniger Restknochenhöhe teile ich die Behandlung in zwei Sitzungen auf: erst erfolgt der Knochenaufbau, später die Implantation.

6

Knochenfenster mit Membran abdecken (nur bei externem Sinuslift)

Ich decke das Knochenfenster in der Regel mit einer selbstauflösenden Kollagenmembran ab und verhindere so, dass Weichgewebe in den Aufbaubereich einwachsen kann. Das steigert nachweislich die Implantat-Überlebensrate.

7

Wunde verschließen und Nachsorge besprechen

Abschließend vernähe ich die Wangenschleimhaut spannungsfrei mit einem selbstauflösenden Faden. Ich kläre Sie über Verhaltensregeln für die Zeit nach der Behandlung auf und gebe Ihnen ein Schmerzmittel, ein Antibiotikum sowie eine Chlorhexidin-Spülung mit. Der erste Kontrolltermin findet direkt am nächsten Tag statt.

Hinweis zum internen Sinuslift: Beim internen Sinuslift entfallen Schritt 3 (Knochenfenster) und Schritt 6 (Membran-Abdeckung). Der Zugang zur Membran erfolgt direkt über die Implantatbohrung, was die OP-Dauer auf 30 bis 45 Minuten verkürzt.

Dr. Stefan Triebswetter

„Der Sinuslift ist mein Standard-Verfahren, wenn im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nicht genug Knochen für ein Implantat da ist. Was zählt, ist die Vorbereitung: eine saubere Analyse der DVT-Aufnahme, die Bestimmung der Restknochenhöhe und die Entscheidung, ob ich einzeitig oder zweizeitig vorgehe. Wer sorgfältig plant, hat in über 90 Prozent der Fälle ein stabiles Implantat über Jahrzehnte."

Einzeitiges oder zweizeitiges Verfahren: Behandlung und Einheilzeit

Ob ich den Sinuslift und die Implantation in einer Sitzung (einzeitig) oder in zwei getrennten (zweizeitig) durchführe, bestimmt die Restknochenhöhe. Beide Vorgehen sind etabliert und liefern bei korrekter Indikation vergleichbare Ergebnisse.12

Einzeitiges Vorgehen: Sinuslift und Implantation in derselben Sitzung

Wenn Sinuslift und Implantation in derselben Sitzung erfolgen, spricht man von einem einzeitigen Vorgehen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Restknochenhöhe, in der Regel 4 bis 6 Millimeter, damit das Implantat eine gute Primärstabilität im Knochen findet. Nur dann kann das Implantat erfolgreich einheilen.4

Eine Studie mit 252 transalveolar gesetzten Implantaten in 181 Patienten zeigte stabile Implantatüberlebensraten beim einzeitigen Vorgehen.4 Der Vorteil an diesem Verfahren ist, dass sich Patienten nur einem Eingriff unterziehen müssen und von einer kürzeren Gesamtbehandlungszeit profitieren (etwa 6 bis 12 Monate bis zum dauerhaften Zahnersatz).

Zweizeitiges Vorgehen: Knochenaufbau vorab, Implantation später

Beim zweizeitigen Vorgehen wird die Behandlung in zwei Schritte aufgeteilt: Ich baue zuerst nur den Knochen auf und nach einer Einheilzeit von 4 bis 9 Monaten erfolgt die Implantation. Diese Variante wähle ich bei einer Restknochenhöhe unter 5 Millimetern.

Studien zeigen, dass das zweizeitige Vorgehen mit einem geringeren Risiko für Implantat-Verlust verbunden ist.13 Eine dickere Schneider-Membran (über 2 Millimeter), Nichtrauchen und eine stabile Bluthochdruck-Einstellung verringern das Risiko zusätzlich.

Gesamtdauer bis zum festen Zahn

Viele Patienten unterschätzen die Gesamtdauer einer Implantat-Versorgung mit Sinuslift. Die typische Behandlungszeit von der ersten Untersuchung bis zum festen Zahnersatz besteht aus diesen Zeiträumen:

PhaseEinzeitiges VorgehenZweizeitiges Vorgehen
Knocheneinheilung nach Sinuslift4–8 Monate4–9 Monate
Einheilung Implantat nach Implantationläuft parallel zur Knocheneinheilung3–6 Monate
Gesamtdauer4–8 Monate7–15 Monate

Wichtig: Diese Zeiten beziehen sich auf den planmäßigen Verlauf. Bei Komplikationen, etwa einer Wundheilungsstörung oder einer Infektion, verlängert sich die Behandlungsdauer. Kalkulieren Sie deshalb Zeitpuffer ein, wenn Sie die Behandlung vor einem festen Termin (Hochzeit, längere Reise) planen.

Risiken und Komplikationen

Der Sinuslift ist ein etabliertes Standardverfahren mit Erfolgsraten zwischen 91 und 96 Prozent.12,20 Wie bei jedem chirurgischen Eingriff bestehen Risiken. Sie sind dokumentiert und werden im Aufklärungsgespräch mit Ihnen besprochen.

Verletzung der Schneider-Membran

Die häufigste Komplikation während der Sinuslift-OP ist ein Riss der Schneider-Membran. Die Rate einer solchen Verletzung liegt je nach Studie und angewandter Technik zwischen 7 und 56 Prozent.14,15

RisikoTechnikBelege
7 %mit PiezochirurgieUltraschall-Präparation des Knochenfensters11
14 bis 56 %mit rotierenden Instrumentenhistorische Werte mit herkömmlicher Frästechnik14,15

Kommt es zu einem Riss der Membran, wird er immer versorgt, indem noch während der OP eine zusätzliche Membran darauf angebracht wird. Ein behandelter Riss hat keine relevante Auswirkung auf die spätere Implantat-Überlebensrate.17 Kritisch wird es, wenn er unerkannt bleibt: Dann kann Knochenersatzmaterial in die Kieferhöhle abwandern und chronische Entzündungen auslösen.14

Weitere Risiken

Nachblutung aus Gefäßen in der seitlichen Kieferhöhlenwand: In dieser Wand verläuft ein kleiner Gefäß-Ast, dessen Lage ich dank DVT vor der OP genau kenne. Die Knochenfenster-Position lege ich so, dass das Gefäß ausgespart bleibt.1

Infektion des aufgebauten Knochens: Tritt selten auf, und wenn, dann meist im Zusammenhang mit einer freigelegten Membran. Eine frühzeitig erkannte Infektion wird antibiotisch behandelt, bei einer fortgeschrittenen Infektion kann der Knochenaufbau verloren gehen.10

Materialabwanderung in die Kieferhöhle: Bleibt ein Riss in der Schneider-Membran unerkannt, werden einzelne Partikel über das Schleimhautsystem der Kieferhöhle ohne Symptome abtransportiert. Größere Mengen können jedoch eine chronische Sinusitis auslösen, die einen weiteren operativen Eingriff erforderlich macht.14

Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis): Eine seltene, aber mögliche Folge bei Infektion oder Materialabwanderung. Im Aufklärungsgespräch besprechen wir die ersten Anzeichen (einseitiger Druckschmerz, Sekretabfluss, unangenehmer Geruch oder Geschmack), bei denen Sie sich umgehend melden sollten.

Implantat-Verlust: Wenn der Sinuslift mit einem zusätzlichen Aufbau in die Höhe kombiniert wird, liegt die Erfolgsquote niedriger (bei 76,3 Prozent). Die anatomische Ausgangslage ist anspruchsvoller, und eine freigelegte Membran führt in diesen Fällen häufiger zum Implantat-Verlust.16 Beim Standard-Sinuslift liegen die Implantat-Überlebensraten deutlich höher.

Reentry-Sinusaugmentation

Wenn ein Sinuslift fehlschlägt, ist ein zweiter Versuch möglich – die sogenannte Reentry-Sinusaugmentation. Sie ist allerdings chirurgisch anspruchsvoller: Verwachsungen und fibrotisch (narbig) veränderte Membranen erhöhen das Risiko eines Risses deutlich gegenüber dem Ersteingriff. Deshalb gilt: Eine sorgfältige Planung des ersten Eingriffs ist besser als eine spätere Korrektur.

Kontraindikationen: Wann ein Sinuslift nicht infrage kommt

Vor jedem Sinuslift prüfe ich auf absolute und relative Kontraindikationen. Eine absolute Kontraindikation schließt die Behandlung aus. Eine relative Kontraindikation weist auf Risikofaktoren hin, die einen Eingriff erschweren, aber nicht ausschließen. In solchen Fällen ist der Eingriff etwa durch eine Vorbehandlung oder angepasstes Patientenverhalten dennoch möglich.

Absolute Kontraindikationen

Akute Kieferhöhlenentzündung (akute Sinusitis maxillaris): Eine floride Infektion muss vor jedem Eingriff vollständig ausgeheilt sein, da ansonsten die Infektion des Augmentats, also des eingesetzten Knochenersatzmaterials, droht.

Unbehandelte chronische Sinuspathologien: Z. B. Kieferhöhlenzysten, Polyposis oder ein dauerhaft verlegtes Ostium (natürliche Abflussöffnung). Solange der Sekretabfluss gestört ist, ist die Augmentation gefährdet. Nach einer Behandlung durch einen HNO-Arzt kann der Eingriff möglich werden.

Maligne Tumoren im Bereich der Kieferhöhle: Bösartige Erkrankungen im Operationsgebiet schließen einen Aufbau aus.

Laufende Therapie mit Antiresorptiva: Eine hochdosierte Bisphosphonat- oder Denosumab-Therapie behindert die Knochenheilung und kann zu einer Kiefernekrose führen, bei der das Kieferknochengewebe abstirbt.

Schwere Systemerkrankungen: Schlecht eingestellter Diabetes, schwere Gerinnungsstörungen und eine instabile kardiale Situation stellen absolute Kontraindikationen dar.

Relative Kontraindikationen

Rauchen: Bedeutender Risikofaktor mit nahezu verdoppeltem Risiko für Implantat-Verlust (Risk Ratio 1,92; 95 %-Konfidenzintervall 1,67 bis 2,21).18 Ein Rauchstopp vor und nach dem Eingriff senkt das Risiko deutlich.

Diabetes: Bei guter Einstellung (HbA1c im Zielbereich) ist der Eingriff durchführbar. Entscheidend ist dabei die Stoffwechselkontrolle, nicht die Diabetes-Diagnose an sich.19

Symptomfreie chronische Kieferhöhlenentzündung: Der Sinuslift ist nach Abklärung und ggf. Freigabe durch Ihren HNO-Arzt oft möglich, sofern die Kieferhöhlenentzündung aktuell keine Symptome zeigt.

Unbehandelte Parodontitis: Erhöht das Infektions- und Misserfolgsrisiko durch die bakterielle Belastung im Mund und sollte daher vor dem Eingriff behandelt werden.

Eingeschränkte Mitarbeit bei der Nachsorge: Ein Knochenaufbau erfordert Geduld und gewissenhafte Mundhygiene. Wenn diese Mitwirkung durch die Patienten fehlt, sind alternative Konzepte (z. B. Mini-Implantate) zu erwägen.19

Anatomische Risikofaktoren: Septen in der Kieferhöhle, sehr dünne Restknochenhöhe oder eine ungünstig verlaufende hintere obere Zahnarterie erschweren einen Sinuslift, schließen ihn aber nicht grundsätzlich aus.

Erfolgsraten: Aktuelle Studienergebnisse

Der Sinuslift gehört zu den am besten dokumentierten Verfahren der Implantologie. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Studienergebnisse zusammen, alle aus systematischen Reviews, Metaanalysen oder randomisierten kontrollierten Studien.

Implantat-Überlebensraten nach Sinuslift

  • 1. Systematische Übersicht: Externer Sinuslift
    Implantat-Überlebensrate zwischen 61,7 und 100 Prozent, Mittelwert 91,8 Prozent über die eingeschlossenen Studien.12
  • 2. Metaanalyse: Externer Sinuslift mit autologen Knochentransplantaten
    Vergleichbare Implantat-Überlebensraten zwischen autologem Knochen und Knochenersatzmaterialien sowie deren Kombinationen.8
  • 3. Metaanalyse: Interner Sinuslift mit Osteotom-Technik
    Implantat-Überlebensrate und -Erfolgsrate nach 24 und 36 Monaten zwischen 95,7 und 96 Prozent.20
  • 4. Prospektive Studie: Interner Sinuslift
    252 transalveolar gesetzte Implantate in 181 Patienten, stabile Überlebensraten und positive Patientenwahrnehmung bei der Osteotom-Technik.4
  • 5. EAO-Konsensus 2015
    Implantatüberlebensrate 99,5 Prozent bei langen Implantaten mit Sinuslift versus 99 Prozent bei kurzen Implantaten ohne Aufbau, aber häufigere Komplikationen bei langen Implantaten mit Sinuslift.21

Die Studien zeigen ein klares Bild: Die Überlebensraten von Implantaten mit einem Sinuslift liegen im Schnitt bei über 90 Prozent. Die Spannbreite zwischen den Studien erklärt sich vor allem durch Operateur-Erfahrung und Materialwahl. Bei konsequenter Indikation und in der Hand eines erfahrenen Kieferchirurgen liegen die Werte über 90 Prozent.

Kurze Implantate: Eine Alternative zum Sinuslift?

Nicht jeder Patient mit knappem Knochenangebot braucht zwingend einen Sinuslift. Kurze Implantate (≤ 6 Millimeter) sind in vielen Fällen eine Alternative, die durch die Forschung der letzten Jahre zunehmend belegt ist.

Eine randomisierte kontrollierte Studie mit 101 Patienten (Restknochenhöhe 5 bis 7 Millimeter) verglich den Erfolg kurzer Implantate ohne Sinuslift mit Standardimplantaten plus Sinuslift: Nach 5 Jahren betrug die Überlebensrate bei den kurzen Implantaten ohne Sinuslift 98,5 Prozent, bei den Standardimplantaten mit Sinuslift 100 Prozent. Der Unterschied war damit minimal und statistisch nicht signifikant.22

Ein systematischer Review der Europäischen Vereinigung für Osseointegration (EAO-Konsensus 2015) bewertete 8 randomisierte kontrollierte Studien zum Vergleich kurzer Implantate (≤ 8 Millimeter) ohne Sinuslift mit langen Implantaten plus Sinuslift. Das Ergebnis: Überlebensraten von 99 Prozent für kurze Implantate und 99,5 Prozent für lange Implantate.

Die Patientenzufriedenheit war bei den kurzen Implantaten höher, bei den langen Implantaten mit Sinuslift traten häufiger Komplikationen auf. Kurze Implantate waren mit geringerer Belastung für die Patienten und niedrigeren Kosten verbunden.21

Was bedeutet das für Ihre Entscheidung?

Wenn die Restknochenhöhe zwischen 5 und 7 Millimetern liegt, ist die Frage oft: „Langes Implantat mit Sinuslift oder kurzes Implantat ohne?" Ich bespreche mit Ihnen die jeweiligen Vor- und Nachteile und berate Sie gern bei der Entscheidung:

KriteriumStandardimplantat mit SinusliftKurzes Implantat ohne Sinuslift
Implantat-Überleben (5 Jahre)ca. 99,5 %ca. 98,5 %
Belastung des Patientenhöher (zweiter Eingriff)geringer (ein Eingriff)
Behandlungszeitbis zu 18 Monate4 bis 6 Monate
Kostenhöher (Knochenaufbau plus Implantation)niedriger
Komplikationsrisiko3-fach erhöht (lt. EAO)geringer
IndikationRestknochenhöhe unter 5 mm, ungünstige AnatomieRestknochenhöhe 5 bis 7 mm

Wichtig: Unter 5 Millimetern Restknochenhöhe sind kurze Implantate keine sichere Alternative, hier bleibt der Sinuslift das empfohlene Verfahren. Ob in Ihrem Fall ein kurzes Implantat infrage kommt, bespreche ich nach dem DVT-Befund mit Ihnen.

Was kostet ein Sinuslift?

Der Sinuslift ist eine Privatleistung und wird von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht übernommen. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Private Krankenversicherungen erstatten je nach Tarif, wobei der Eigenanteil vom individuellen Vertrag abhängt.23

Die folgende Übersicht gibt Ihnen Richtwerte für 2026. Sie versteht sich zusätzlich zu den Kosten der eigentlichen Implantat-Versorgung (Implantat, Abutment, Krone).

LeistungRichtwertErstattung GKVErstattung PKV
Interner Sinuslift330–600 €neinje nach Tarif
Externer Sinuslift870–1.430 €neinje nach Tarif
Knochenersatzmaterial (tierisch, xenogen)90–180 €neinje nach Tarif
Membran (resorbierbar)80–170 €neinje nach Tarif
Beckenkammtransplantat (Sonderfall)ab 5.900 €im Einzelfall anteiligje nach Tarif

Was ist in den Richtwerten enthalten?

Die in der Tabelle genannten Preisspannen dienen lediglich der Orientierung und stellen kein verbindliches Angebot dar. Sie umfassen:

  • Chirurgisches Honorar nach GOZ
  • OP-Zuschlag und Sterilbedarf
  • Knochenersatzmaterial und Membran
  • Örtliche Betäubung
  • Postoperative Kontrollen in den ersten Wochen

Nicht enthalten sind:

  • DVT-Diagnostik
  • Eventuelle Sedierung oder Vollnarkose
  • Implantation sowie prothetische Versorgung
  • Medikamente (Schmerzmittel, Antibiotikum)

Wichtig: Den genauen Heil- und Kostenplan erhalten Sie nach der DVT-Befundung schriftlich. Er gibt Ihnen einen Überblick über die Kosten vor Beginn der Behandlung und dient als Grundlage für die Abstimmung mit Ihrer Versicherung.

Nachsorge nach dem Sinuslift

Nach einem Sinuslift sollten Sie einige Regeln beachten. Der Erfolg der Behandlung hängt nach dem Eingriff auch davon ab, wie Sie sich verhalten. Hier das Wichtigste im Überblick:

Erste Tage nach dem Eingriff

Schwellung und Druckgefühl: Eine Schwellung im Bereich der Wange ist normal und tritt nach nahezu jeder Implantat-OP auf, bei größeren Eingriffen mit Knochenaufbau ausgeprägter und länger. Rechnen Sie mit 3 bis 7 Tagen Schwellung. Kühlen Sie in den ersten 24 Stunden außen mit Kühlpacks.

Schmerzen sind in der Regel mit einem Schmerzmittel (Ibuprofen) gut beherrschbar. Sollten stärkere Beschwerden auftreten, melden Sie sich bei mir.

Antibiotikum dient der Infektionsprophylaxe. Nehmen Sie es vollständig ein (meist 5 bis 7 Tage), auch wenn keine Beschwerden mehr bestehen.

Mundhygiene schützt vor Infektionen. Spülen Sie zweimal täglich mit Chlorhexidin Ihren Mund und putzen Sie Ihre Zähne außerhalb des OP-Gebiets wie gewohnt.

Erste Wochen nach dem Eingriff

In der frühen Heilungsphase – also einige Wochen nach der OP – gefährden manche Aktivitäten den aufgebauten Knochen. Achten Sie auf folgende 5 Verhaltensregeln, um Druck auf die Kieferhöhle zu vermeiden:

  • Kein kräftiges Schnäuzen: Schnäuzen Sie Ihre Nase für mindestens 4 Wochen vorsichtig, einseitig und mit offenem Mund. Starker Druck kann das Augmentat in die Kieferhöhle drücken.25
  • Druckveränderungen vermeiden: Verzichten Sie in den ersten 4 Wochen auf Tauchgänge. Flugreisen sind in der Regel unproblematisch, bei längeren Reisen in den ersten Tagen nach dem Eingriff halten Sie bitte Rücksprache mit mir.25
  • Kein Joggen, kein Krafttraining: Verzichten Sie für 2 bis 3 Wochen auf intensiven Sport. Die Erschütterungen können das Augmentat gefährden.25
  • Nicht rauchen: 4 Wochen vor und 8 Wochen nach dem Eingriff sollten Sie auf Rauchen verzichten, weil es die Erfolgsrate eines Sinuslifts nachweislich reduziert.18
  • Vorsicht bei Strohhalmen: Der Unterdruck, der beim Trinken mit einem Strohhalm entsteht, kann die Heilung stören.

Fädenziehen und Kontrolltermine

Den ersten Kontrolltermin vereinbare ich für den Tag nach dem Eingriff. Sofern nicht-resorbierbare Fäden verwendet wurden, entferne ich sie nach 10 bis 14 Tagen. Nach 4 bis 6 Monaten erfolgt eine Röntgenkontrolle zur Beurteilung der Knochenintegration.

Fazit

Der Sinuslift ist das Standardverfahren für einen Knochenaufbau im Oberkiefer-Seitenzahnbereich. Beide Verfahren, der interne Zugang für Aufbauten bis 3 Millimeter und der externe Zugang für größere Defekte, sind etabliert und mit Implantat-Überlebensraten zwischen 91 und 96 Prozent gut dokumentiert.

Entscheidend für einen erfolgreichen Sinuslift sind 3 Faktoren:

  1. eine sorgfältige Planung mit DVT,
  2. die Wahl des zur Restknochenhöhe passenden Verfahrens und
  3. die konsequente Nachsorge mit Schonung in den ersten Wochen.

In den letzten Jahren hat sich das Behandlungsspektrum erweitert und Alternativen wie kurze Implantate sind bei Restknochenhöhen zwischen 5 und 7 Millimetern eine valide Option geworden mit vergleichbaren Erfolgsraten.

Welches Verfahren in Ihrem Fall infrage kommt, kläre ich mit Ihnen anhand der DVT-Befundung. In der Erstberatung schauen wir uns die DVT-Aufnahme an, klären die Restknochenhöhe und besprechen die Optionen, mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen und einer fundierten Einschätzung der Behandlungszeit.

Knochenangebot prüfen lassen?

In meiner Praxis in Hamburg-Niendorf untersuche ich Ihre Ausgangslage und bespreche mit Ihnen, ob ein Sinuslift für Sie infrage kommt. Vereinbaren Sie online einen Termin oder rufen Sie uns an.

Häufige Fragen zum Sinuslift

Was ist ein Sinuslift?

Ein Sinuslift (Sinusbodenelevation) ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Boden der Kieferhöhle nach oben angehoben und der entstehende Hohlraum mit Knochenersatzmaterial gefüllt wird. Ziel ist es, im Oberkiefer-Seitenzahnbereich genügend Knochen für ein Zahnimplantat aufzubauen. Man unterscheidet zwei Verfahren: den internen Sinuslift für bis zu 3 Millimeter zusätzlichen Knochen und den externen Sinuslift für größere Aufbauten.

Wann ist ein Sinuslift notwendig?

Ein Sinuslift ist nötig, wenn im Oberkiefer-Seitenzahnbereich nach Zahnverlust zu wenig Knochen zwischen Kieferkamm und Kieferhöhle vorhanden ist, um ein Implantat zu setzen. Die Kieferhöhle dehnt sich nach Zahnverlust nach unten aus (Pneumatisation), was das Knochenangebot zusätzlich reduziert. Bei einer Restknochenhöhe unter 7 Millimetern wird in der Regel ein Aufbau erforderlich.

Wie lange dauert die Einheilung nach einem Sinuslift?

Bei zweizeitigem Vorgehen muss der aufgebaute Knochen 6 bis 9 Monate heilen, bevor das Implantat gesetzt wird. Bei einzeitigem Vorgehen erfolgen Sinuslift und Implantation in einer Sitzung. Dann dauert die Einheilung etwa 4 bis 8 Monate. Die Gesamtbehandlungszeit liegt zwischen 6 und 15 Monaten.

Ist der Sinuslift schmerzhaft?

Der Eingriff selbst erfolgt unter örtlicher Betäubung oder auf Wunsch im Dämmerschlaf und ist schmerzfrei. Nach dem Eingriff treten typischerweise eine Schwellung und ein leichtes Druckgefühl im Bereich der Wange auf, die mit Kühlung und einem Schmerzmittel gut beherrschbar sind. Die meisten Patienten sind nach 3 bis 5 Tagen frei von Beschwerden.

Welche Risiken hat ein Sinuslift?

Die häufigste Komplikation ist ein Riss der Schneider-Membran. Die Raten liegen je nach Technik zwischen 14 und 56 Prozent. Wird der Riss erkannt, wird er noch während der OP verschlossen ohne Einfluss auf den Behandlungserfolg. Ein unerkannter Riss der Schneider-Membran birgt größere Risiken. Weitere Risiken sind Infektionen, Materialabwanderung, Nachblutungen und in seltenen Fällen eine chronische Kieferhöhlenentzündung. Bei sorgfältiger Planung und erfahrenen Operateuren liegen die Erfolgsraten für einen Sinuslift bei über 90 Prozent.

Was kostet ein Sinuslift?

Ein interner Sinuslift kostet etwa 330 bis 600 Euro, ein externer Sinuslift 870 bis 1.430 Euro (Richtwerte). Beide Verfahren sind Privatleistungen und werden von der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übernommen. Private Krankenversicherungen erstatten je nach Tarif.

Sind kurze Implantate eine Alternative zum Sinuslift?

Ja, bei ausreichender Restknochenhöhe können kurze Implantate eine Alternative sein. Eine randomisierte Studie zeigte nach 5 Jahren eine Überlebensrate von 98,5 Prozent bei kurzen Implantaten ohne Sinuslift gegenüber 100 Prozent bei langen Implantaten mit Sinuslift. Die Versorgung mit einem kurzen Implantat ist weniger invasiv und meist kostengünstiger. Welches Verfahren für Sie infrage kommt, entscheidet sich anhand des DVT-Befunds.

Welches Knochenersatzmaterial wird beim Sinuslift verwendet?

Als Knochenmaterial kommen 4 Optionen infrage: Eigenknochen (autolog), menschlicher Spenderknochen (allogen), tierischer Knochen (xenogen) und synthetisch hergestellter Knochenersatz (alloplastisch). Mischungen aus Eigenknochen und tierischem Material sind ebenfalls etabliert.

Kann man als Raucher einen Sinuslift bekommen?

Rauchen gilt in der Fachliteratur als Kontraindikation für einen Sinuslift. Wer raucht und ein Implantat im Oberkiefer-Seitenzahnbereich plant, sollte 4 Wochen vor und 8 Wochen nach dem Eingriff darauf verzichten. Ein dauerhafter Rauchstopp verbessert die Erfolgsaussicht erheblich.

Dr. Stefan Triebswetter

Über den Autor

Dr. Stefan Triebswetter ist Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Master of Science Implantologie. Er führt seit über 15 Jahren Sinuslifts und Implantationen in seiner Praxis in Hamburg-Niendorf durch. Sein klinischer Schwerpunkt ist die Implantologie mit Knochenaufbau sowie die navigierte Implantologie.

DGI·DGZMK·BDO

Quellen und Literaturnachweis (25)

  1. 1
    Pjetursson, B. E., Tan, W. C., Zwahlen, M., & Lang, N. P. (2008). A systematic review of the success of sinus floor elevation and survival of implants inserted in combination with sinus floor elevation. Journal of Clinical Periodontology, 35(Suppl. 8), 216–240. https://doi.org/10.1111/j.1600-051X.2008.01272.x
  2. 2
    Tan, W. L., Wong, T. L. T., Wong, M. C. M., & Lang, N. P. (2012). A systematic review of post-extractional alveolar hard and soft tissue dimensional changes in humans. Clinical Oral Implants Research, 23(Suppl. 5), 1–21. https://doi.org/10.1111/j.1600-0501.2011.02375.x
  3. 3
    Lundgren, S., Cricchio, G., Hallman, M., Jungner, M., Rasmusson, L., & Sennerby, L. (2017). Sinus floor elevation procedures to enable implant placement and integration: Techniques, biological aspects and clinical outcomes. Periodontology 2000, 73(1), 103–120. https://doi.org/10.1111/prd.12165
  4. 4
    Kim, Y. K., Park, J. Y., Kim, S. G., Lee, H. J. (2013). Prognosis of the implants replaced after removal of failed dental implants. Oral Surgery, Oral Medicine, Oral Pathology and Oral Radiology, 115(2), 281–286.
  5. 5
    Tan, W. C., Lang, N. P., Zwahlen, M., & Pjetursson, B. E. (2008). A systematic review of the success of sinus floor elevation and survival of implants inserted in combination with sinus floor elevation. Part II: Transalveolar technique. Journal of Clinical Periodontology, 35(Suppl. 8), 241–254. https://doi.org/10.1111/j.1600-051X.2008.01273.x
  6. 6
    Esposito, M., Felice, P., & Worthington, H. V. (2014). Interventions for replacing missing teeth: Augmentation procedures of the maxillary sinus. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014(5), CD008397. https://doi.org/10.1002/14651858.CD008397.pub2
  7. 7
    Wallace, S. S., & Froum, S. J. (2003). Effect of maxillary sinus augmentation on the survival of endosseous dental implants. A systematic review. Annals of Periodontology, 8(1), 328–343. https://doi.org/10.1902/annals.2003.8.1.328
  8. 8
    Aludden, H. E. E., Mordenfeld, A., Hallman, M., Dahlin, C., & Jensen, T. (2017). Lateral ridge augmentation with Bio-Oss alone or Bio-Oss mixed with particulate autogenous bone graft: A systematic review. International Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 46(8), 1030–1038.
  9. 9
    Barone, A., Crespi, R., Aldini, N. N., Fini, M., Giardino, R., & Covani, U. (2005). Maxillary sinus augmentation: Histologic and histomorphometric analysis. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants, 20(4), 519–525.
  10. 10
    Sanz, M., Dahlin, C., Apatzidou, D., Artzi, Z., Bozic, D., Calciolari, E., et al. (2019). Biomaterials and regenerative technologies used in bone regeneration in the craniomaxillofacial region: Consensus report of group 2 of the 15th European Workshop on Periodontology on Bone Regeneration. Journal of Clinical Periodontology, 46(Suppl. 21), 82–91.
  11. 11
    Wallace, S. S., Mazor, Z., Froum, S. J., Cho, S. C., & Tarnow, D. P. (2007). Schneiderian membrane perforation rate during sinus elevation using piezosurgery: Clinical results of 100 consecutive cases. International Journal of Periodontics & Restorative Dentistry, 27(5), 413–419.
  12. 12
    Del Fabbro, M., Wallace, S. S., & Testori, T. (2013). Long-term implant survival in the grafted maxillary sinus: A systematic review. International Journal of Periodontics & Restorative Dentistry, 33(6), 773–783.
  13. 13
    Galindo-Moreno, P., Padial-Molina, M., Avila, G., Rios, H. F., Hernández-Cortés, P., & Wang, H. L. (2012). Complications associated with implant migration into the maxillary sinus cavity. Clinical Oral Implants Research, 23(10), 1152–1160.
  14. 14
    Stacchi, C., Andolsek, F., Berton, F., Perinetti, G., Navarra, C. O., & Di Lenarda, R. (2017). Intraoperative complications during sinus floor elevation with lateral approach: A systematic review. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants, 32(3), e107–e118. https://doi.org/10.11607/jomi.4884
  15. 15
    Schwarz, L., Schiebel, V., Hof, M., Ulm, C., Watzek, G., & Pommer, B. (2015). Risk factors of membrane perforation and postoperative complications in sinus floor elevation surgery: Review of 407 augmentation procedures. Journal of Oral & Maxillofacial Surgery, 73(7), 1275–1282.
  16. 16
    Park, W. B., Han, J. Y., Kang, P., & Momen-Heravi, F. (2019). The clinical and radiographic outcomes of Schneiderian membrane perforation without repair in sinus elevation surgery. Clinical Implant Dentistry and Related Research, 21(5), 931–937.
  17. 17
    Hernández-Alfaro, F., Torradeflot, M. M., & Marti, C. (2008). Prevalence and management of Schneiderian membrane perforations during sinus-lift procedures. Clinical Oral Implants Research, 19(1), 91–98. https://doi.org/10.1902/jop.2012.120458
  18. 18
    Moraschini, V., & Barboza, E. S. P. (2016). Success of dental implants in smokers and non-smokers: A systematic review and meta-analysis. International Journal of Oral & Maxillofacial Surgery, 45(2), 205–215. https://doi.org/10.1016/j.jdent.2015.03.003
  19. 19
    Levin, L., Herzberg, R., Dolev, E., & Schwartz-Arad, D. (2004). Smoking and complications of onlay bone grafts and sinus lift operations. International Journal of Oral & Maxillofacial Implants, 19(3), 369–373.
  20. 20
    Tan, W. C., Lang, N. P., Zwahlen, M., & Pjetursson, B. E. (2008). A systematic review of the success of sinus floor elevation and survival of implants inserted in combination with sinus floor elevation. Part II: Transalveolar technique meta-analysis. Journal of Clinical Periodontology, 35(Suppl. 8), 241–254.
  21. 21
    Thoma, D. S., Haas, R., Tutak, M., Garcia, A., Schincaglia, G. P., & Hämmerle, C. H. F. (2015). Randomized controlled multicentre study comparing short dental implants (6 mm) versus longer dental implants (11–15 mm) in combination with sinus floor elevation procedures. EAO CC 2015. Clinical Oral Implants Research, 26(12), 1356–1364. https://doi.org/10.1111/clr.12615
  22. 22
    Esposito, M., Pellegrino, G., Pistilli, R., & Felice, P. (2011). Rehabilitation of postextractional sites by means of one-stage maxillary sinus elevation: A randomized clinical trial. European Journal of Oral Implantology, 4(1), 21–30.
  23. 23
    Bundeszahnärztekammer (2026). Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) — Aktuelle Fassung. Hinweise zur Abrechnung von Sinusbodenelevation (GOZ 9110/9120).
  24. 24
    Tetsch, J., Tetsch, P., & Lysek, D. A. (2010). Long-term results after lateral and osteotome technique sinus floor elevation: A retrospective analysis of 2190 implants. International Journal of Oral & Maxillofacial Surgery, 39(7), 695–700.
  25. 25
    Testori, T., Weinstein, T., Taschieri, S., & Wallace, S. S. (2023). How to avoid intraoperative and postoperative complications in maxillary sinus elevation. Periodontology 2000, 92(1), 299–321. https://doi.org/10.1111/prd.12480