Bisphosphonattherapie und Kieferchirurgie: sichere Behandlung in Hamburg

Wenn Sie Bisphosphonate, Denosumab oder andere antiresorptive Medikamente einnehmen, erfordert jede kieferchirurgische Maßnahme besondere Vorsicht. In meiner Kieferchirurgie in Hamburg-Niendorf behandle ich Patienten unter Antiresorptiva-Therapie nach den Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie der AWMF – mit antibiotischer Abschirmung, schonender Chirurgie und plastischer Deckung.

4,9 / 5 Sterne Fachzahnarzt für Oralchirurgie S3-Leitlinien-konform Antibiotika-Prophylaxe
Dr. Stefan Triebswetter – Bisphosphonattherapie Hamburg
Fachzahnarzt für Oralchirurgie
S3-Leitlinie AWMF 007/091
Abstimmung mit Ihrem Arzt
Dämmerschlaf und Vollnarkose

Was sind Bisphosphonate und Antiresorptiva?

Bisphosphonate und Denosumab gehören zur Gruppe der Antiresorptiva – Medikamente, die den Knochenabbau hemmen. Ärzte setzen sie bei Osteoporose, Knochenmetastasen (v. a. Brust- und Prostatakarzinom), multiplem Myelom und Morbus Paget ein.1

Diese Medikamente stabilisieren den Knochen und sind für viele Patienten unverzichtbar. Gleichzeitig verändern sie den Knochenstoffwechsel im Kiefer: Der Knochen wird weniger durchblutet und heilt nach chirurgischen Eingriffen langsamer. In seltenen Fällen kann es zu einer medikamenten-assoziierten Kiefernekrose (MRONJ) kommen – einem Absterben von Kieferknochengewebe.2

Deshalb ist bei Patienten unter Antiresorptiva-Therapie eine enge Zusammenarbeit zwischen dem verordnenden Arzt, Ihrem Zahnarzt und mir als Kieferchirurg besonders wichtig. Ich behandle diese Patienten nach den Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie der AWMF (Registernr. 007/091).

Beratung Bisphosphonattherapie Hamburg Niendorf

Welche Medikamente sind betroffen?

Wenn Sie eines der folgenden Medikamente einnehmen, informieren Sie mich bitte vor jeder Behandlung:

WirkstoffHandelsnameGabeTypische Indikation
AlendronatFosamax®oral, wöchentlichOsteoporose
RisedronatActonel®oral, wöchentlichOsteoporose
IbandronatBonviva®, Bondronat®oral oder i.v.Osteoporose
ZoledronatZometa®, Aclasta®i.v.Knochenmetastasen, Osteoporose
PamidronatAredia®i.v.Knochenmetastasen
ClodronatBonefos®oral oder i.v.Knochenmetastasen
DenosumabProlia®s.c., alle 6 MonateOsteoporose
DenosumabXgeva®s.c., alle 4 WochenKnochenmetastasen

Wichtiger Unterschied: Bisphosphonate lagern sich im Knochen ein und wirken noch zehn bis zwölf Jahre nach dem Absetzen nach. Denosumab wirkt über das Blutserum und hat eine Halbwertszeit (Zeitraum, in dem die halbe Wirkstoffmenge abgebaut ist) von nur 24 bis 26 Tagen – nach 6 Monaten Therapiepause gilt das Risiko einer Kiefernekrose als nicht mehr vorhanden.2

Was ist eine medikamenten-assoziierte Kiefernekrose?

Eine medikamenten-assoziierte Kiefernekrose (englisch: MRONJ – Medication-Related Osteonecrosis of the Jaw) ist eine seltene, aber ernste Nebenwirkung von Antiresorptiva. Der Kieferknochen erhält nicht mehr ausreichend Blutversorgung, stirbt ab und liegt frei – meistens nach einem zahnärztlichen Eingriff.3

Die Diagnose erfordert, dass alle drei folgenden Kriterien erfüllt sind: Mehr als 8 Wochen freiliegender oder sondierbarer Kieferknochen, Antiresorptiva in der Anamnese, und keine Kopf-Hals-Bestrahlung in der Vorgeschichte.

Die gute Nachricht: Durch konsequente Prophylaxe – vor, während und nach der Antiresorptiva-Therapie – lässt sich das Risiko einer Kiefernekrose erheblich senken. Genau hier liegt meine Aufgabe als Oralchirurg.

Ihr individuelles Risikoprofil

Das Risiko einer Kiefernekrose hängt davon ab, warum und wie hoch dosiert Sie Antiresorptiva erhalten:2

Niedriges Risiko
≤ 0,5 %

Osteoporose

Orale Bisphosphonate (z. B. Fosamax®) oder Denosumab 60 mg alle 6 Monate (Prolia®). Kiefernekrose-Risiko sehr gering.

Mittleres Risiko
≤ 1 %

Sekundäre Osteoporose + Begleitmedikation

Bisphosphonate in Kombination mit Immunmodulatoren oder bei Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus.

Hohes Risiko
bis 21 %

Knochenmetastasen / Multiples Myelom

Hochdosiertes Zoledronat i.v. (Zometa®) alle 4 Wochen oder Denosumab 120 mg (Xgeva®). Kiefernekrose-Risiko deutlich erhöht.

Welchem Risikoprofil Sie zugeordnet werden, bespreche ich mit Ihnen persönlich – immer in Abstimmung mit Ihrem verordnenden Arzt (Onkologe, Internist, Orthopäde).

Zahnsanierung VOR Therapiebeginn

Bevor Ihr Arzt mit der Antiresorptiva-Therapie beginnt, sollte Ihr Kiefer entzündungs- und reizfrei sein. In vier Schritten stelle ich sicher, dass Ihr Kiefer bereit ist – denn ein sanierter Kiefer senkt das Risiko einer späteren Kiefernekrose erheblich.2

1Entzündungsherde suchen

Ich untersuche Ihren Kiefer gründlich und fertige bei Bedarf ein Röntgenbild (OPG (Panoramaröntgen) oder DVT (digitale Volumentomografie, 3D-Röntgen)) an, um verborgene Entzündungsherde zu finden.

2Nicht erhaltungswürdige Zähne entfernen

Nicht erhaltungswürdige Zähne, Wurzelreste und teilretinierte Weisheitszähne mit Entzündungszeichen entferne ich vor Therapiebeginn.

3Zähne sanieren und Prothesen anpassen

Ihr Hauszahnarzt versorgt kariöse Zähne, behandelt Parodontitis und passt Prothesen an, um Druckstellen zu vermeiden.

4Kiefer als reizfrei freigeben

Nach Abschluss der Sanierung bestätige ich Ihrem verordnenden Arzt, dass der Kiefer reizfrei ist und die Therapie beginnen kann.

Wichtig bei Osteoporose-Patienten: Der Beginn der Osteoporose-Behandlung (niedriges Risikoprofil) soll laut S3-Leitlinie nicht durch zahnärztliche Maßnahmen verzögert werden. Die Sanierung kann hier auch parallel beginnen.2

Chirurgische Behandlung unter Antiresorptiva: mein Vorgehen

Wenn während Ihrer Antiresorptiva-Therapie ein kieferchirurgischer Eingriff nötig wird (z. B. Zahnextraktion, Wurzelspitzenresektion, Zystenentfernung), gehe ich in fünf Schritten nach einem strengen Protokoll gemäß der S3-Leitlinie vor:2

1

Mit Ihrem Arzt abstimmen

Ich nehme Kontakt mit Ihrem verordnenden Arzt auf und kläre Ihr Risikoprofil, die Dauer und Art der Medikation.

2

Antibiotika vorbeugend verordnen

Ab dem Tag vor dem Eingriff erhalten Sie ein Antibiotikum (z. B. Amoxicillin 1000 mg 3× täglich). Die Einnahme läuft bis zum Abklingen klinischer Infektionszeichen – mindestens bis zur Nahtentfernung.2

3

Schonend operieren

Ich arbeite so schonend wie möglich. Scharfe Knochenkanten glätte ich sorgfältig (Dekortikation). Kein Knochen bleibt frei.

4

Wunde plastisch mit Schleimhautlappen decken

Die Wunde verschließe ich mit einem Mukoperiostlappen (einem Schleimhautlappen mitsamt Knochenhaut) – speicheldicht und spannungsfrei vernäht. Kein freiliegender Knochen. Das ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Kiefernekrose.

5

Engmaschig nachsorgen

Flüssige oder passierte Kost bis zur Nahtentfernung (frühestens nach zehn Tagen). Engmaschige Kontrollen bis zur vollständigen Schleimhautheilung.

Betäubung bei Antiresorptiva-Patienten

Lokalanästhesie

Der Standard für einzelne Zahnentfernungen und kleinere Eingriffe.

Dämmerschlaf

Eigenes Anästhesie-Team vor Ort. Ideal bei mehreren Zahnentfernungen oder ängstlichen Patienten.

Vollnarkose (ITN: Intubationsnarkose)

Bei umfangreichen Sanierungen oder wenn eine stationäre Therapie einer manifesten Kiefernekrose erforderlich ist.4

Sind Zahnimplantate bei Bisphosphonat-Patienten möglich?

Die S3-Leitlinie rät zur differenzierten Betrachtung: Je höher das Risikoprofil, desto strenger die Indikationsstellung.2

Niedriges Risikoprofil

Implantation grundsätzlich möglich – unter antibiotischer Prophylaxe, plastischer Deckung und verlängerter Einheilzeit. Der Patient muss über das individuelle Kiefernekrose-Risiko und die Notwendigkeit regelmäßiger Nachsorge aufgeklärt werden.

Hohes Risikoprofil

Implantation nur nach strenger Indikationsprüfung. Knochenaufbau (Augmentation) sollte bei antiresorptiver Therapie vermieden oder besonders kritisch geprüft werden. Alternative: konventioneller Zahnersatz.

Muss ich mein Medikament vor einer Zahn-OP absetzen?

Die S3-Leitlinie gibt hierzu keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine Therapieunterbrechung („Drug Holiday") vor chirurgischen Kiefereingriffen (Empfehlungsgrad C).2

Bitte setzen Sie Ihre Medikamente niemals eigenmächtig ab. Ob eine Therapiepause sinnvoll ist, entscheidet ausschließlich Ihr verordnender Arzt in Absprache mit mir. Bei Denosumab ist zu beachten, dass nach Absetzen ein sogenannter Rebound-Effekt (beschleunigter Knochenabbau nach Therapieende) auftreten kann.

Dr. Stefan Triebswetter – Oralchirurg Hamburg

Bisphosphonat-Patienten beim Oralchirurgen

Die Behandlung von Patienten unter Antiresorptiva erfordert ein durchdachtes Protokoll: Abstimmung mit dem verordnenden Arzt, antibiotische Abschirmung, atraumatische (gewebeschonende) Chirurgie, plastische Deckung und engmaschige Nachsorge. In meiner Praxis in Hamburg-Niendorf führe ich regelmäßig Zahnextraktionen, Wurzelspitzenresektionen und andere Eingriffe bei Bisphosphonat-Patienten durch – nach den Empfehlungen der aktuellen S3-Leitlinie.

Fachzahnarzt für Oralchirurgie S3-Leitlinien-konform Mitglied DGZMK, DGI und BDO

Nachsorge: so oft sollten Sie zur Kontrolle

Die S3-Leitlinie empfiehlt risikoangepasste Kontrollintervalle:2

12 Monate

Niedriges Risiko

Übliche Frequenz der hauszahnärztlichen Vorsorge.

6 Monate

Mittleres Risiko

Halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt oder Kieferchirurgen.

3 Monate

Hohes Risiko

Vierteljährliche Kontrolle mit oraler Inspektion.

Das sagen unsere Patienten

Häufig gestellte Fragen zur Bisphosphonattherapie

Was sind Bisphosphonate und Antiresorptiva?

Bisphosphonate und Denosumab sind Medikamente, die den Knochenabbau hemmen. Ärzte setzen sie bei Osteoporose, Knochenmetastasen und anderen Knochenerkrankungen ein. In der Fachsprache heißen sie Antiresorptiva.

Warum sind Bisphosphonate ein Risiko bei Zahnbehandlungen?

Antiresorptiva hemmen den Knochenstoffwechsel im Kiefer. Nach chirurgischen Eingriffen heilt der Knochen schlechter und es kann in seltenen Fällen zu einer Kiefernekrose kommen – einem Absterben von Kieferknochengewebe.

Was ist eine Kiefernekrose (MRONJ)?

MRONJ steht für „Medication-Related Osteonecrosis of the Jaw" – eine medikamenten-assoziierte Kiefernekrose. Sie ist definiert als mehr als 8 Wochen freiliegender Kieferknochen bei Patienten, die Antiresorptiva einnehmen und keine Kopf-Hals-Bestrahlung hatten.

Welche Medikamente erhöhen das Risiko?

Bisphosphonate (Fosamax®, Zometa®, Bonviva®, Actonel®, Bondronat®, Aredia®, Bonefos®, Aclasta®), Denosumab (Prolia®, Xgeva®) sowie in Kombination bestimmte Tumortherapeutika (Avastin®, Sutent®, Afinitor®).

Was muss ich VOR einer Bisphosphonat-Therapie beim Zahnarzt tun?

Alle notwendigen zahnärztlichen und kieferchirurgischen Behandlungen sollten vor Therapiebeginn abgeschlossen sein: Zahnentfernungen, Kariessanierung, Parodontitisbehandlung, Prothesenanpassung. Ein entzündungsfreier Kiefer senkt das Nekrose-Risiko erheblich.

Kann ich mir trotz Bisphosphonaten einen Zahn ziehen lassen?

Ja – unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen: antibiotische Abschirmung, atraumatische Vorgehensweise, Glättung der Knochenkanten und plastische Deckung der Wunde mit einem Mukoperiostlappen. Ich arbeite nach dem Protokoll der S3-Leitlinie.

Sind Zahnimplantate bei Bisphosphonat-Patienten möglich?

Bei niedrigem Risikoprofil (Osteoporose) unter bestimmten Voraussetzungen ja – mit Antibiotika-Prophylaxe und verlängerter Einheilzeit. Bei hohem Risikoprofil (Knochenmetastasen) ist die Indikation streng zu prüfen.

Muss ich mein Bisphosphonat vor einer Zahn-OP absetzen?

Die S3-Leitlinie gibt keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine Therapiepause. Setzen Sie Ihr Medikament niemals eigenmächtig ab – das entscheidet ausschließlich Ihr verordnender Arzt in Absprache mit mir.

Wie oft muss ich unter Bisphosphonaten zur Kontrolle?

Je nach Risikoprofil: bei niedrigem Risiko alle 12 Monate, bei mittlerem Risiko alle 6 Monate, bei hohem Risiko alle 3 Monate. Die Kontrolle umfasst eine orale Inspektion und ggf. Röntgendiagnostik.

Was ist der Unterschied zwischen Bisphosphonaten und Denosumab?

Bisphosphonate lagern sich im Knochen ein und wirken noch zehn bis zwölf Jahre nach dem Absetzen nach. Denosumab wirkt im Blut mit einer Halbwertszeit von nur 24 bis 26 Tagen. Nach 6 Monaten Denosumab-Pause gilt das Kiefernekrose-Risiko als nicht mehr vorhanden – allerdings kann es zu einem Rebound-Effekt am Knochen kommen.

Bisphosphonattherapie in Hamburg-Niendorf: so finden Sie uns

Kieferchirurgie Niendorf

Dr. Triebswetter & Kollegen

Kollaustraße 239

22453 Hamburg

040 – 589 77 89 0

Öffnungszeiten

Mo – Do8:00 – 18:00 UhrFreitag8:30 – 14:00 Uhr

Wissenschaftliche Quellen zur Bisphosphonattherapie (4)

  1. 1
    Schwenzer, N. & Ehrenfeld, M. (Hrsg.). (2019). Zahnärztliche Chirurgie (5., unveränderte Aufl.). Thieme. https://doi.org/10.1055/b-006-164740
  2. 2
    Schiegnitz, E., Al-Nawas, B. et al. (2018). S3-Leitlinie: Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ). AWMF-Registernr. 007/091. Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/007-091
  3. 3
    Ruggiero, S. L., Dodson, T. B., Aghaloo, T., Carlson, E. R., Ward, B. B. & Kademani, D. (2022). American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons' Position Paper on Medication-Related Osteonecrosis of the Jaws – 2022 Update. Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 80(5), 920–943. https://doi.org/10.1016/j.joms.2022.02.008
  4. 4
    Eufinger, H., Kübler, A. & Schliephake, H. (Hrsg.). (2021). Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie: Operationslehre und -atlas (5. Aufl.). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-58984-7

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Dr. Stefan Triebswetter

Fachzahnarzt für Oralchirurgie · Kieferchirurgie seit 1995